Renovierungen

Blick in das Bad im Erdgeschoss, mit altertümlicher Badewanne und Waschbecken

Bad im Erdgeschoss

So tragisch die Geschichte des Einsteinhauses in den Jahren 1933 bis 1945 war, so absurd-komisch setzte sie sich in den Nachkriegsjahren  fort. Die Russen, fest davon überzeugt, dass der Sozialist Einstein eher in ein kommunistisches Deutschland zurückkehren würde, als im kapitalistischen Amerika zu bleiben, entwarfen Pläne für die Instandsetzung des Hauses. Als sich herausstellte, dass Einstein nicht zurückkommen würde, verwarfen sie diese Pläne wieder und vermieteten das Haus an die Familie eines örtlichen Schankwirtes. Im Jahre 1953 versuchte der damalige Bürgermeister von Caputh, Hans Hartmann, die ostdeutsche Akademie der Wissenschaften zu überzeugen, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen - das hätte zusätzliche Mittel für die Renovierung freigesetzt. Man kann sich die Reaktion der Akademie vorstellen, als sie feststellte, dass Hartmann bereits selbst in das Haus eingezogen war.

Kurz vor Einsteins Tod im April 1955 wurde in Caputh eine hölzerne Gedenktafel errichtet und das Haus doch noch unter Denkmalschutz gestellt. Das Engagement der Akademie für das Haus blieb jedoch bestenfalls halbherzig. Als Hartmann 1958 in den Westen floh, vermietete man das Haus an eine Großfamilie, die dort Hühner und Hunde hielt. Erst 1974 - nach einem langen Weg durch die Mühlen der Bürokratie und im Zuge der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR und den USA - begann man zu überlegen, ob die Erben entschädigt werden müssten, wie weit das Haus renoviert werden sollte und wie man es in Zukunft überhaupt nutzen wolle. Die Vorstellung, wie ausländische Besucher auf den schlechten Zustand des Hauses reagieren würden, brachte die DDR dazu, aktiv zu werden. Im Jahre 1978 wurde die Akademie zum offiziellen Verwalter ernannt und erhielt eine größere Summe, um das Haus komplett zu renovieren. Zum hundersten Geburtstag Einsteins im Jahr 1979 wurde das Haus für Besichtigungen, Seminare, Empfänge und Gäste zugänglich gemacht. Konrad Wachsmann reiste zur Wiedereröffnung aus Los Angeles an. Offiziell lobte er die Renovierungsarbeiten, doch privat zeigte er sich davon zum Teil enttäuscht. Die schadhafte Täfelung im Wohnzimmer war unfachmännisch ersetzt worden, die für die Wandverkleidungen in den Zimmern verwendete Holzlasur war zu dunkel, und insgesamt war im Inneren des Hauses von der ursprünglichen Atmosphäre nichts zu spüren.



Nach der Auflösung der Akademie der Wissenschaften der DDR 1991 ging das Haus wieder an die Gemeinde Caputh zurück, die es ihrerseits dem Land Brandenburg überließ. Zwei Jahre später übernahm das neugegründete Einstein Forum die Verwaltung. Eine der Hauptfragen nach der Wiedervereinigung betraf die überaus undurchsichtigen Eigentumsverhältnisse. Nach längeren Rechtsstreitigkeiten stellte sich heraus, dass das Haus einer elfköpfigen Erbengemeinschaft gehörte - von der Hebräischen Universität in Jerusalem bis zu einem Tierheim in New Jersey. Die Hebräische Universität, der Einstein in seinem Testament den Hauptteil seines Besitzes vermacht hatte, besaß nunmehr rund siebzig Prozent des Grundstücks, während die restlichen dreißig Prozent unter den übrigen Erben aufgeteilt war. 2004 wurden die rechtmäßigen Erben endlich ins Grundbuch eingetragen.

Das Einsteinhaus blieb während der 1990er Jahre zwei Tage die Woche für das Publikum geöffnet, bevor schwerwiegende Feuchtigkeitsprobleme am Dach und der allgemein reparaturbedürftige Zustand des Hauses 2001 eine Schließung unumgänglich machten. Noch während der Ausführung der dringendsten Reparaturarbeiten wurden Pläne für umfassende Instandsetzungsmaßnahmen getroffen. Ruth Cornelsen von der Cornelsen Kulturstiftung und die deutsche Bundesregierung stellten großzügig Mittel für die dringend nötigen Renovierungen zur Verfügung. Kurze Zeit später begann das Potsdamer Architekturbüro Kühn-von Kaehne & Lange mit der Wiederherstellung des Hauses, die rechtzeitig zum Einsteinjahr 2005 abgeschlossen wurde.

 

 

Neue Möbel in Margot Einsteins Zimmer. Designer: Jörg Hundertpfund

Neue Möbel in Margot Einsteins Zimmer. Designer: Jörg Hundertpfund